Rathauszeitung vom 16.06.2026 +++ Bruchteileigentum Mariahof
Bruchteilseigentum Mariahof
Mariahof wurde in den 1960er Jahren als Gartenstadt geplant – mit viel Grün, kurzen Wegen und gemeinschaftlich genutzten Anlagen wie Garagenhöfen, Trennwänden, Müllanlagen und Zufahrten. Dieses Konzept war damals fortschrittlich und sollte Flächen sparen sowie Bau- und Unterhaltungskosten reduzieren. Heute zeigt sich jedoch, dass diese Eigentums-strukturen in der Praxis zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Viele dieser Anlagen befinden sich im sogenannten Bruchteileigentum. Das bedeutet, dass nicht ein einzelner Eigentümer verantwortlich ist, sondern oft zahlreiche Menschen gemeinsam – in Einzelfällen bis zu 60 Eigentümer für eine einzige Wand oder Anlage.
Die Folgen sind in Mariahof vielerorts sichtbar: schiefe Trennwände, sanierungsbedürftige Garagenhöfe, stillgelegte oder beschädigte Müllanlagen und andere Gemeinschafts-einrichtungen, deren Zustand sich über Jahre verschlechtert hat. Das Problem liegt nicht an fehlendem Willen. Viele Eigentümer wissen gar nicht, dass sie Miteigentümer solcher Anlagen sind und damit grundsätzlich auch Mitverantwortung tragen. Hinzu kommt, dass die übrigen Beteiligten häufig unbekannt sind und gemeinsame Entscheidungen nur schwer zustande kommen.
Formal ist die Rechtslage eindeutig: Eigentum verpflichtet. Doch wenn sich über lange Zeit zeigt, dass notwendige Instandhaltungen praktisch nicht organisiert werden können, stellt sich die Frage, ob Bürger durch Information, Beratung oder Moderation besser unterstützt werden sollten. Es geht nicht darum, private Verantwortung auf die Stadt zu übertragen. Es geht darum, ein strukturelles Problem offen anzusprechen und darüber nachzudenken, wie gewachsene Eigentumsstrukturen in älteren Wohngebieten besser handhabbar gemacht werden können.
Mariahof ist ein liebenswerter und einzigartiger Stadtteil. Damit die Gartenstadt auch in Zukunft attraktiv bleibt, sollte auch die Verwaltung gemeinsam mit den Eigentümern nach Wegen suchen, den sichtbaren Verfall zu bremsen und die Verantwortung für gemeinschaftliches Eigentum wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken. Die UBT-Fraktion möchte dieses Problem ansprechen und zu Lösungen beitragen.
UBT Stadtratsfraktion